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Gefleckte Taubnessel

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Goldnessel

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Purpurrote Taubnessel

Die Taubnesselparade

Text: Manfred Braun, Nassau

Fotos: Anne Neidhöfer  (Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt)

 

Im Moment befinden sich die Arten in einem „Hoch“, denn sie blühen auffällig am Wegesrand und können bei so manchem Spaziergang „optisch mitgenommen“ werden.
Die Rede ist von vier Taubnesselarten, die wegen ihrer auffälligen farbigen Blüten gut zu erkennen, einfach zu bestimmen und auch schön zu fotografieren sind. Zur Orientierung sei noch mitgeteilt, dass die allbekannten Brennesseln wegen ihrer Brennhaare bekannt sind und eine hohe Ähnlichkeit bei den Blättern besteht, daher auch die Namengemeinsamkeit „Nessel“.
Doch Taubnesseln und Brennesseln haben keine verwandtschaftliche Beziehung. Taubnesseln gehören zu der Pflanzenfamilie der Lippenblütler, also besitzen sie im Blütenaufbau eine Oberlippe und eine Unterlippe, die dann zu einer Blütenröhre zusammengewachsen sind. Der Stängel der Lippenblütler und damit auch der Taubnesseln ist vierkantig, was deutlich auffällt, wenn man ihn mit der Hand vorsichtig anfasst. Die Blätter der Lippenblütler sind gegenständig angeordnet, zeigen also abwechselnd im Duo in die eine und dann in die andere Richtung.
Bekannt und häufig ist die Weiße Taubnessel. Die ausbreitungsaktive Pflanze ist an Wegrändern zu findet und bevorzugt nährstoffreiche Ruderalstandorte; also weniger aufgeräumte Bereiche mit einem hohen Stickstoffanteil im Boden, gerne auch in Halbschattenlagen. 5-8 weiße Blüten stehen zusammen und sind ab April bis oft weit in den Herbst hinein zu sehen.
Etwas weniger bekannt ist die Purpurrote Taubnessel, die bis zu 30 cm hoch wächst und kleine Blüten besitzt. Sie ist schnellwachsend und kann im Jahr durchaus 3-4 Generationen bilden, was eine schnelle Samenreife impliziert. Die Blütenfarbe ist rot und auch die oberen Blätter sind rötlich überhaucht und selbst die gesamte Pflanze weist rötliche Härchen auf. Die Purpurrote Taubnessel wächst gerne an Ackerrändern, an Schuttbeständen und benötigt ebenfalls nährstoffreiche Standorte.
Wieder etwas stattlicher ist die Gefleckte Taubnessel. Sie erinnert im Hinblick auf die Blattform am deutlichsten an Brennesseln, aber halt eben ohne Brennhaare. Die rötlichen Blüten sind auf der Unterlippe weißlich gefleckt. Sie bevorzugt zum Wachsen ebenfalls ruderale Standorte, Hecken oder Waldsäume mit stickstoffreichem Boden. Der markante Duft der Blüten und die auffällige Größe der Unterlippe lockt Insekten an, vor allem auch Schmetterlinge. Die Pflanze besitzt in der Blütenröhre einen zuckerreichen und begehrten Nektar. Große Bienen und Hummeln kommen durch die Blütenröhre nicht an den Nektar heran und beißen diese auf um an die begehrte Flüssigkeit zu gelangen. An den Samen sitzen Ölkörper, die bei Ameisen begehrt sind. Daher wird der Samen in der Regel von diesen verbreitet.
Ein etwas anderer Lebensraum steht für die letzte hier beschriebene Taubnesselart, die Gelbe Taubnessel, die auch Goldnessel genannt wird. Sie bevorzugt Laubwälder im Schatten und basenreiche und leicht feuchte Böden. Sechs Blüten stehen quirlartig zusammen. Es entwickelt sich eine gelbe dreilappige Unterlippe die bräunliche Flecken aufweist. Die Blüten werden gerne von Bienen besucht und die Samen wiederum von Ameisen verbreitet. Die Pflanze vermehrt sich auch ohne Samen durch bis zu 60 cm lange am Boden kriechende und dort wurzelnde Ausläufer.
Alle vier Arten kommen bei uns verbreitet vor und blühen auch noch in den nächsten Monaten. Grund genug, bei Wanderungen auf diese vier Arten zu achten.

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Weisse Taubnessel