Graugans 5.jpg

Die Graugans

Kanadagans 6.jpg

Die Kanadagans

Nilgans 3.jpg

Die Nilgans

Das Gänse-Trio

vom Rhein-Lahn-Kreis

Text: Manfred Braun, Nassau

Fotos: Anne Neidhöfer  (Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt)


Vor 20 Jahren gab es bei uns an der Lahn, und auch am Rhein, noch keine Gänse. Das hat sich in den letzten 20 Jahren erheblich geändert und Gänse sind mittlerweile neben den Stockenten zu den auffälligen Wassertieren unserer Region geworden.


Nun der Reihe nach:
1995 konnte bei Koblenz der erste Brutnachweile für die Nilgans in unserer Region erbracht werden. Es dauerte aber noch 10 Jahre, bis 2005 an der Schottel Osterspai auch unsere Region einen Brutnachweis vermelden konnte; 2006 entdeckten Ornithologen die erste Brut am Hollerich Nassau.


Nilgänse sind heimisch in Teilen Afrikas, z.B. in Ägypten, dem Sudan oder auch in Ruanda. Aus Zuchtpopulationen, insbesondere der Niederlande, haben sie sich entlang der Flussläufe ausgebreitet und sind mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Vogelfauna. Es ist die häufigste Gans an der Lahn mit Tendenz, auch kleinere Gewässer in Taunus und dem Westerwald zu besiedeln. Die graubeige bis braune hochbeinige Gans ist stehend und fressend oft in Ufernähe zu beobachten, zumeist paarweise oder im Familienverband. Während der Wintermonate schließen sich oft größere Gruppen zusammen, zumeist auch Nichtbrüter. Im Flug fallen die weißen Vorderflügel auf und aus der Nähe ist der dunkle Augenfleck markant. Auffallend sind ihre schrillen und lauten Rufe, die mit „ang-hää-hää“ wiedergegeben werden können. Nilgänse brüten bei uns nicht am Boden in Ufernähe, sondern in Nestern anderer Vogelarten, etwa Greifvögeln oder Reihern, aber auch in Felsen, auf Brücken, in Kirchtürmen oder Mauern. Im Schnitt werden bei uns 5 Junge pro Paar groß. Der Bestand an Lahn und Rhein sowie den Höhengebieten ist immer noch zunehmend, wobei jedoch nicht alle Nilgänse zur Brut schreiben. Diese kann in allen Jahreszeiten erfolgen, bevorzugt jedoch von Frühling bis Herbst.


Etwas größer als die Nilgans ist bei uns die Graugans mit einem kontrastarmen braungrauen Gefieder und dem markanten rosa Schnabel. Die Rufe sind den Hausgänsen ähnlich und können als „gackern“ umschrieben werden. Die Population in Rheinland-Pfalz entstammt einem Auswilderungsprojekt bei Gensingen an der Nahe, wo 1977 die erste Brut erfolgte.


Seit 10 Jahren brüten Graugänse an der Schottel bei Osterspai, seit einigen Jahren auch bei Lahnstein und bei Dausenau. Vom Rhein lahnaufwärts ist die Art bisher bis Dausenau vorangekommen. Die Bruten finden versteckt in Ufernähe statt und die Alten mit ihren Jungen erscheinen oft schon Ende April. Es finden keine Spätbruten statt.


Seit einigen Jahren taucht an der Lahn eine weitere Gans auf, die optisch sicherlich die schönste der drei Arten ist. Es ist die Kanadagans mit ihrem schwarzen Hals  und einem markanten weißen Kopffeld. Die Befiederung des Körpers ist bräunlich. Von den drei Arten ist sie die stattlichste und zudem die ruffreudigste Art, mit sehr lauten nasalen und mit „or-luit“ zu umschreibenden Lautäußerungen. Die ursprünglich in Nordamerika heimische Gänseart ist ebenfalls der menschlichen Haltung entwichen und über Großbritannien, Schweden und die Niederlande zu uns gelangt. In Rheinland-Pfalz gibt es Brutpopulationen im Westerwald, im Mittelrheinischen Becken und im Oberrheingraben. Sie hat in Rheinland-Pfalz 1982 bei Worms erstmals gebrütet und 1999 an einem Angelteich bei Altenkirchen unsere Region erreicht. Einzelne Paare sind in den letzten beiden Jahren brütend bei Nassau und Dausenau beobachtet worden. Die Brutpopulation ist gering, der Winterbestand an der Schottel Osterspai oder bei Lahnstein mit zugezogenen Tieren etwas höher. Die Kanadagans brütet auch an kleineren Stillgewässern, gerne dort auf kleinen Inseln.
Da sich Gänse gerne auf flussnahen Wiesen aufhalten, ist das auch der beste Beobachtungsort für die Arten. Zu nennen wären die Wiesen- und Parkflächen in Nassau im Umfeld der Mühlbachmündung, die Wiesen zwischen Dausenau und Bad Ems, die Wiesen an der Lahn unterhalb von Miellen, der Bereich der Lahnsteiner Lahn mit der Lahnmündung und das Naturschutzgebiet „Schottel Osterspai“.